Therapieziele bei rheumatoider Arthritis
Es gibt nicht die «eine» Therapie, die bei jedem Patient wirkt. Der Rheumatologe wird aus den bestehenden Behandlungsmöglichkeiten Ihr individuelles Behandlungskonzept erstellen.
Ziele der Behandlung sind:
- Verlangsamung bzw. Rückgang der entzündlichen Krankheitsprozesse
- Verbesserung der Lebensqualität durch Schmerzlinderung und Unterstützung der Aktivitäten des täglichen Lebens
- Erhaltung der Funktion und der Kraft der betroffenen Gelenke
- Stabilisierung der psychosozialen Situation
Die rheumatoide Arthritis verläuft sehr unterschiedlich. Deshalb muss die Therapie fortlaufend kontrolliert und bei Bedarf angepasst werden. Dem Rheumatologen stehen dabei eine Auswahl verschiedener Medikamente sowie begleitende Therapien zur Verfügung.
Medikamente bei rheumatoider Arthritis
Zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis stehen verschiedene Medikamente mit unterschiedlichen Wirkmechanismen zur Verfügung. Es gibt Medikamente, die den Krankheitsverlauf beeinflussen (Basistherapeutika) und solche, die die Symptome lindern, aber den Krankheitsverlauf nicht beeinflussen (NSAR und Kortison).
Die Basistherapie - Krankheitsmodifizierende Medikamente (DMARDs)
DMARDS sind der Grundpfeiler in der Behandlung der rheumatoiden Arthritis. Basistherapeutika können den Entzündungsprozess bei der rheumatoiden Arthritis reduzieren und dadurch das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen oder sogar aufhalten.
Diese Medikamente müssen über einen längeren Zeitraum eingenommen werden und brauchen meist mehrere Wochen (in einzelnen Fällen auch länger), bis sie vollständig wirken. Einige Patienten sind durch den Einsatz der Basistherapeutika über einen sehr langen Zeitraum nahezu beschwerdefrei und haben trotz der Erkrankung eine hohe Lebensqualität.
Zu dieser Medikamentengruppe zählen:
-
konventionelle Basistherapeutika
Die Substanz der ersten Wahl ist Methotrexat, aber auch Sulfasalazin oder Leflunomid werden bei Unverträglichkeit, Kontraindikation oder fehlender Wirkung von Methotrexat verordnet.
Manchmal werden konventionelle Basistherapeutika auch miteinander kombiniert. Die meisten Patienten vertragen Basistherapeutika sehr gut. Dennoch sind regelmässige Kontrollen notwendig, um mögliche Nebenwirkungen frühzeitig zu erfassen.
-
Biologika (bDMARDs)
Die so genannten Biologika sind biotechnisch hergestellte Abwehrstoffe (z. B. Antikörper), die speziell gegen bestimmte Entzündungsbotenstoffe gerichtet sind oder bestimmte Rezeptoren und Immunzellen hemmen.
Biologika werden bei der rheumatoiden Arthritis nur nach Versagen von (einem oder mehreren) konventionellen Basistherapeutika eingesetzt. Üblicherweise werden Biologika mit konventionellen Basistherapeutika kombiniert, da die Kombinationstherapie in der Regel wirksamer ist als die alleinige Gabe des Biologikums.
Biologika werden in regelmässigen Abständen gespritzt oder als Infusion verabreicht - das Intervall ist dabei von Medikament zu Medikament verschieden. Auch Biologika werden von den meisten Patienten gut vertragen, chronische lnfektionen (insbesondere eine Tuberkulose) und aktive Krebserkrankungen sollten vor Beginn der Behandlung aber ausgeschlossen werden.
-
Zielgerichtete synthetische Basistherapeutika (sDMARDS)
Diese so genannten «Small molecules» werden nach Versagen von (einem oder mehreren) konventionellen Basistherapeutika eingesetzt. Sie greifen innerhalb der Zelle in die Weiterleitung von Signalen ein. Dadurch werden lmmunzellen gezielt gehemmt, wodurch es schlussendlich zu einer Reduktion der Entzündung kommt. Diese Medikamente werden in der Regel mit konventionellen Basistherapeutika kombiniert.
Die meisten Patienten vertragen synthetische Basistherapeutika gut. Chronische lnfektionen und aktive Krebserkrankungen sollten jedoch vor Einleitung der Therapie ausgeschlossen werden. Im Therapieverlauf sind regelmässige Blutkontrollen notwendig.
Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)
NSAR sind entzündungs- und schmerzhemmende Medikamente, die bei der rheumatoiden Arthritis zusätzlich zur Basistherapie verordnet werden, beispielsweise während eines Erkrankungsschubes.
NSAR verringern zwar die Krankheitszeichen wie Schmerz und Gelenksteife, haben jedoch keinen Einfluss auf den Krankheitsverlauf (symptomatische Therapie).
Kortison
Kortisonpräparate wirken rasch und sind stark entzündungshemmend. Auch Kortison wird üblicherweise zusätzlich zur Basistherapie verordnet, beispielsweise zur Behandlung eines Krankheitsschubs. Der Rheumatologe versucht dabei, die niedrigste wirksame Dosis einzusetzen, um Nebenwirkungen zu vermeiden oder so gering wie möglich zu halten. Das Ziel muss es aber sein, die Entzündung so rasch wie möglich in den Griff zu bekommen, da auch kurz andauernde Entzündungsschube bereits zu irreparablen Schäden führen können.